Vom Vergnügen, ein Insekt zu sein
Die Idee war einfach: Zum Welttag des Buches am 23. April sollte ein »HörBuch zum Tag des Buches« erscheinen. Die Umsetzung war schon schwieriger: 21 Studierende des Studiengangs Mediapublishing arbeiteten insgesamt zwei Semester mit größtem Engagement an dieser Aufgabe. Das Ergebnis kann sich sehen und – vor allem – hören lassen: »Patacloc – Das Geheimnis von Berlin« wurde am Vorabend des Welttags des Buches in einer etwas anderen Premiere vorgestellt.
Unter dem Titel »Vom Buch zum Hörbuch« startete das Projekt im Sommer 2009 unter der Leitung von Prof. Ulrich Huse mit der Konzeptionsphase. Für ebenso tatkräftige wie professionelle Unterstützung sorgte als Gastdozent Sebastian Reiß vom Hörbüro Freiburg.
Zunächst wurden die Aufgaben verteilt und Arbeitsgruppen gebildet. Das Redaktionsteam befasste sich mit der Arbeit am Manuskript. Die Gestaltungsgruppe fertigte erste Dummys für die CD-Hülle und das Booklet an und das Sponsoring-Team bemühte sich eifrig um die Akquise von thematisch passenden und spendierfreudigen Unternehmen. Im Wintersemester ging es dann in die heiße Phase: Das Drehbuch musste konzipiert, ein erfahrenes Sprecherteam gewonnen, die Gestaltung umgesetzt und ein kostengünstiges Presswerk gefunden werden.
Pünktlich um 18 Uhr startete die Präsentation mit dem »Großen Kladderadatsch«, musikalisch interpretiert von Daniel Schneider (Schlagzeug) und Daniel Pommranz (Bass). Um einen Kontrapunkt zur düsteren Untergangsstimmung zu setzen und die Machtübernahme durch die Insekten sinnfällig zu machen (denn genau diese Auswirkungen der Klimakatastrophe beschreibt der französische Autor Philippe Bertrand in seinem Roman), organisierten die Studierenden einen Kinderchor: Die 40 Mädchen und Jungen von der evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Vaihingen begeisterten unter der Leitung von Kantorin Gabriele Timm-Bohm mit einer witzigen Version des Kinderliedklassikers »Auf der Mauer, auf der Lauer« und boten neben tollen Stimmen auch eine gelungene Choreografie.
Gespannt lauschte der Saal dann der ersten Hörprobe aus dem Hörbuch – und die spannende Zusammenstellung verschiedener Szenen machte Lust auf mehr.
Eine Idee wird geboren...
In den anschließenden Diskussionsrunden kamen die Menschen hinter dem Hörbuch zu Wort. Zunächst führten die Studentinnen Linda Hoppe und Julia Marquart ein Gespräch mit dem Hörbuchregisseur und -produzenten Sebastian Reiß und Prof. Ulrich Huse über die Entstehung dieses Projekts und die Zusammenarbeit mit den Studierenden. Ihn habe, so Reiß, vor allem das »Unverbrauchte«, »Innovative« an den Studenten gereizt, als er die ebenso reizvolle wie arbeitsintensive Aufgabe als Gastdozent übernahm. Julia und Linda berichteten aus studentischer Perspektive von ihren Eindrücken und dem Ziel, etwas »noch nie da Gewesenes« zu machen – doch musste sich die Projektgruppe aus Kostengründen von ihrer ersten Idee verabschieden, eine Graphic Novel zu vertonen. Schließlich wurde der Roman »Patacloc – Das Geheimnis von Berlin« entdeckt – und mit seinem deutschen Verlag Jacoby & Stuart ein Partner, der das studentische Projekt voll und ganz unterstützte.
Eine zweite Hörprobe ließ die Stimme von Charles Brauer ertönen. Der aus dem Fernsehen, von der Bühne und aus zahlreichen Hörbuchproduktionen bekannte Schauspieler hat die Rolle des Erzählers übernommen, konnte wegen einer Theaterpremiere in Hamburg aber nicht persönlich an der Hörbuchpräsentation teilnehmen. So eröffnete Mediapublishing-Student Oliver Rothe die nächste Gesprächsrunde mit drei anderen Sprechern des Hörbuchs: Herbert Schäfer (Patacloc), Falk Döhler (Leberecht Bulkow) und Hubertus Gertzen (Emil Gronsch). Sie erzählten von dem großen Vergnügen, in die Rollen von Insekten zu schlüpfen, und von der Freude, an der Produktion eines aufwendig gemachten Hörspiels teilzunehmen: Bei kommerziellen Produktionen werde leider immer mehr Zeit und damit Geld gespart, so dass die Qualität manchmal auf der Strecke bliebe.
In der letzten Podiumsdiskussion sprach Mediapublishing-Studentin Melinda Kaltenbach mit Jan-Nicolas Machatschek, Sebastian Reiß und Rainer Lenz über die Arbeit im Tonstudio. Der Komponist Machatschek, im Hauptberuf Anästhesist, lobte die gute Vorbereitung der Studierenden, die ihm die musikalische Umsetzung leicht gemacht habe. Auch der Audiodesigner und Sänger Rainer Lenz betonte, dass die Studierenden überaus professionelle Vorarbeit für die Arbeit im Tonstudio geleistet hätten. Auf die Frage, ob sie ein solches Projekt noch einmal angehen würden, antwortete Reiß augenzwinkernd: »In nächster Zeit eher nicht, da die Arbeit jedes Zeitkontingent sprengt – es sei denn, die Studenten wählen das nächste Mal eine Kurzgeschichte.« Die, so Rainer Lenz, »produzieren wir dann mit jedem erdenklichen Schnickschnack, denn Spaß gemacht hat es uns allen!«
Damit endete der offizielle Teil der Hörbuch-Präsentation und der InSEKTen-Empfang wurde eröffnet. Bei einem Glas Sekt, Saft oder Wasser sowie Butterbrezeln wurde auf den gelungenen Abschluss dieses anstrengenden, aber auch lehrreichen und außergewöhnlichen Projekts angestoßen. Ein Jahr voller spannender Aufgaben ist zu Ende und alle halten stolz das fertige Hörbuch in den Händen: 132 Minuten, die immer daran erinnern werden, dass praxisorientiertes Lernen einen Riesenspaß machen kann. (23.04.10; vt008)
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