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In Zukunft alles unter einem Dach

Studiendekan Prof. Ulrich Huse (ganz links) mit den Diskussionsteilnehmern und studentischen Moderatoren (v.l.): Thomas Bez (Umbreit), Laura Spanier und David Laubsch (Mediapublishing-Studierende), Matthias Heinrich (BroCom), Markus Fels (KNV) und Thomas Brinkmann (Libri); Foto: ds086Ob 4 + 2 oder 8 + 3 – auf jeden Fall wollen alle dabei sein. Dies ist eine der zentralen Aussagen einer überaus anregenden Podiumsdiskussion an der Stuttgarter Hochschule der Medien, bei der am 24. November 2011 vier Vertreter des deutschen Zwischen­buchhandels Verlagsstudenten und interessierten Gästen Rede und Antwort standen.

Das vom Studiengang Mediapublishing organisierte Verlagspodium bot Gelegenheit für ein seltenes Zusammentreffen von vier ›Größen‹ des deutschen Zwischenbuchhandels: Thomas Bez (Umbreit), Thomas Brinkmann (Libri), Markus Fels (KNV) und Matthias Heinrich (Brockhaus/Commission, kurz BroCom) waren gekommen, um über ein Thema zu disku­tieren, das momentan die gesamte Branche beschäftigt: Die Zukunft des Zwischenbuch­handels unter dem Einfluss der beiden Faktoren Digitalisierung und Konzentration.

 

Ob P-Books oder E-Books – der Buchhandel braucht Sortimenter

Vom Buchhandel zum Medienhandel: Thomas Bez, Umbreit (links), und Matthias Heinrich, BroCom (Mitte), diskutierten über die Zukunft der Barsortimenter; Foto: ds086Zum Thema Digitalisierung waren sich alle Diskussionsteilnehmer zumindest in einem Punkt einig: Um in Zukunft am Markt bestehen zu können, müssen neben dem Printsegment auch andere Produktlinien in das Sortiment eingebunden werden. Der Buchhandel müsse sich künftig zum Medienhandel umdefinieren – keine ganz neue Forderung, wie sich Umbreit-Gesellschafter Thomas Bez erinnerte. Nur die Umsetzung fällt vielen Sortimentern schwer. Die vier Zwischenbuchhändler haben ihre Unternehmen mittlerweile am digitalen Markt positioniert; libri.de hatte kurz zuvor stolz gemeldet, im Oktober erstmals mehr digitale als gedruckte Bücher verkauft zu haben.

Libri-Vertriebsleiter Süd Thomas Brinkmann schätzt den E-Book-Verkauf trotz dieser Erfolgs­meldung als von den Medien überbewertet ein und hob die gute Zusammenarbeit von Zwischenbuchhandel und stationärem Buchhandel im E-Book-Bereich hervor. Der Hauptumsatz werde weiterhin, wie Bez anmerkte, mit rund 95% durch das physische Buch getätigt. Das bestätigte sich auch bei einer Umfrage im Publikum, bei der sich zeigte, dass keiner der Anwesenden regelmäßig E-Books liest.

BroCom-Geschäftsführer Matthias Heinrich appellierte an die Branche, ihren Marketingfokus auf den Erhalt der gesamten Buchhandelslandschaft zu richten. Auch Markus Fels, Einkaufs­leiter bei KNV, betonte die Notwendigkeit, in Zeiten der Digitalisierung Fachhandelstreue zu zeigen und dem Buchhandel in der derzeitigen ›Experimentierphase‹ beratend zur Seite zu stehen. Gleichzeitig wolle sein Unternehmen in Zukunft aber verstärkt auch auf andere Vertriebswege setzen. Ein erster Schritt sei die Zusammenarbeit mit Media Markt und Saturn, die in der Branche für Diskussionsstoff sorgte. Letztlich stelle sich irgendwann die Frage, welche Branche welche andere übernimmt…

 

4+2 – Wer ist dabei?

Natürlich brachten die studentischen Diskussionsleiter Laura Spanier und David Laubsch auch den Zusammenschluss von Könemann mit Libri zur Sprache. Brinkmann bewertete diese ›strategische Allianz‹ als Glücksfall für Könemann, der als kleinster der vier Buchgroßhändler allein keine Zukunft habe. Für Bez käme ein ähnlicher Zusammenschluss von Umbreit mit einem größeren Mitbewerber allerdings nicht in Frage.

Auch als das Gespräch auf die 4+2-These des geschäftsführenden KNV-Gesellschafters Oliver Voerster kam, zeigte Bez Kampfgeist: Die Konzentration sei zwar in den letzten 40 Jahren rasant vorangeschritten, trotzdem glaube er nicht daran, dass nur vier Verlags­auslieferungen und zwei Barsortimente überleben könnten. Umbreit gelte aufgrund seiner Flexibilität und Innovationskraft als zuverlässiger Anbieter und sei vor allem für kleinere Verlage attraktiv, da diese sich hier als gleichwertige Partner behandelt fühlten. Das bestätigte auch Heinrich: Er wollte sich zwar nicht direkt zur 4+2-These äußern, betonte jedoch die Stärke BroComs als Partner auf Augenhöhe für kleinere Verlage. Er sei überzeugt, auch längerfristig ein überlebensfähiges Angebot neben den großen Verlagsauslieferungen formulieren zu können.

Auch Fels wollte nicht spekulieren, war sich aber sicher, dass – sollte ›4+2‹ Wirklichkeit werden, KNV in beiden Kategorien vertreten sein werde. Das Zwischenbuch­handels­unternehmen der Zukunft, so seine These, müsse ohnehin Verlagsauslieferung, Barsortiment und PoD-Druckzentrum unter einem Dach vereinen.

Was die Zukunft tatsächlich bringen wird, vermochten auch die Experten nicht vorherzusagen, denn – wie Heinrich treffend bemerkte – niemand könne »im Kaffeesatz lesen«. Die Entwicklung wird eben auch maßgeblich vom Kunden beeinflusst, der letztlich entscheidet, was am Markt gefragt ist und was nicht. (27.11.2011; ar079)


 
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