Interview mit Mediapublishing-Studiendekan Prof. Ulrich Huse
Prof. Huse, der Publishers Day wird am 27. Mai zum ersten Mal vom Studiengang Mediapublishing veranstaltet. Welche Ziele werden mit der Veranstaltung verfolgt?
Huse: Die Idee des Publishers Day war zunächst einmal, einen Studiengangstag zu machen. Doch haben wir relativ schnell erkannt, dass es nicht ausreicht, sich nur mit sich selber zu beschäftigen und darüber zu reden, was der Studiengang macht, wie er sich positioniert und wohin er sich entwickeln soll, sondern dass es dazu den Austausch mit den externen Fachleuten aus den Verlagen benötigt. Und so entwickelte sich das Projekt Publishers Day: Ein Tag, der Experten aus den Verlagen, Alumni, die in den Verlagen bereits erste Berufserfahrungen gesammelt haben, und die Studierenden des Studiengangs Mediapublishing zusammenbringt, um gemeinsam über aktuelle Themen der Medienbranche zu diskutieren.
Was denken Sie, welche Effekte sich aus der Diskussion zwischen Experten, Alumni und Studierenden ergeben werden?
Huse: Wir rechnen vor allem mit zwei Effekten. Zum einen ist es natürlich ein Forum, auf dem sich der Studiengang selber nach außen präsentiert; die Experten sollen feststellen, was an der Hochschule geschieht, wie intensiv wir uns mit den aktuellen Fragen der veränderten Medienlandschaft beschäftigen und welche Qualität unsere Studierenden dabei haben. Zum anderen ist es aber auch für unsere Studierenden wichtig, in den Kontakt mit Verlagsleuten zu kommen, zu sehen, wie aktuell und wie nah unsere Ausbildung an der Wirklichkeit ist, selber ihr Wissen zu überprüfen, mit wichtigen Leuten zu sprechen – wir erhoffen uns da einen regen Austausch, der für beide Seiten interessant und fruchtbar ist.
Das Thema des 1. Publishers Day wird »Mediennutzung« sein. Die Mediennutzung der Konsumenten hat sich ja innerhalb weniger Jahre stark gewandelt und verändert sich auch weiterhin in einem raschen Tempo, sehr viel wird mittlerweile digital genutzt – welche sind Ihrer Meinung nach die Kernherausforderungen, auf die sich die Verlage einstellen müssen?
Huse: Ich möchte mit einer Kernherausforderung beginnen, die keine technische ist, sondern eine psychologische. Ich glaube, dass die Verlage, die auf eine große Tradition mit Print-Produkten zurückblicken, realisieren müssen, dass es auch in der neuen Welt digitaler Medien einen Ort für sie gibt, an dem sie sich behaupten und wirtschaftlich erfolgreich arbeiten können. Aber dafür müssen sie herauskommen aus dieser Defensive, in der sie im Augenblick noch sind, und aktiv das Know-how, das sie haben, einsetzen. Sie generieren ja immer noch hervorragende Inhalte. Und es gilt, diese über neue, veränderte und immer vielseitiger werdende Kanäle zu verbreiten. Letztlich ist doch genau das das Kerngeschäft der Verlage seit Hunderten von Jahren.
Und was bedeutet das für den Verlagsnachwuchs? Wie stellt sich der Studiengang Mediapublishing darauf ein?
Huse: Das bedeutet, dass wir uns schon seit Jahren bemühen, die Perspektive zu erweitern, nicht mehr nur auf Print-Produkte zu schauen, sondern weitere Verwertungsmöglichkeiten und Geschäftsmodelle einzubeziehen. Wir bieten bereits seit mehreren Jahren Seminare im Bereich Elektronisches Publizieren an, aber auch Veranstaltungen rund um Hörbücher, E-Books und alle modernen Formen des crossmedialen Publizierens – und das sehr oft projektorientiert.
Gutes Stichwort – nun bekommen wir Studierenden ja viele Möglichkeiten, konkrete, reale Projekte für Verlage umzusetzen. Vor allem das Fach »Crossmediales Produktmanagement« im 3. Semester zeigt uns, was es für Verlage bedeutet, Print-Produkte in Digitales zu ›übersetzen‹. Finden Sie es sinnvoll, wenn Verlage versuchen, Print 1:1 ins Digitale zu übertragen? Was kann die Folge von so einer Herangehensweise sein?
Huse: Das finde ich natürlich nicht sinnvoll, weil es ein falsches Den- ken dokumentiert. Jedes neue Medium bietet neue Chancen. Und diese neue Chancen muss man kreativ nutzen, d.h. ein Buch als PDF 1:1 in ein E-Book zu übertragen ist kein Zugewinn. So entsteht kein neuer Nutzwert für die Käufer dieses Produkts. Es kommt darauf an, dass die Verlage erkennen, dass Inhalte je nach Vertriebskanal unterschiedlich aufbereitet und angereichert werden müssen. Und für genau diese Aufgabenstellungen möchten wir die Studierenden in unseren Seminaren und Projekten sensibilisieren.
Welche Medien nutzen Sie persönlich regelmäßig? Sicherlich eher Bücher?!
Huse: Klar, ich bin noch sozialisiert worden mit Print-Produkten, d.h. wenn ich eine entsprechende Bibliothek zur Verfügung habe, werde ich wahrscheinlich schneller eine Information im Print-Produkt finden als Sie online. Aber das hat natürlich mit meinem Vorwissen zu tun – wir finden immer nur etwas in einem Buch, wenn wir auch wissen, wie und wo wir suchen sollen. Aber natürlich nutze ich, wie jeder andere auch, die wunderbaren Möglichkeiten des Internets, um dort zu recherchieren. Denn was die Aktualität betrifft, ist das WorldWideWeb absolut unschlagbar. In einem Punkt bin ich aber noch sehr konservativ: Ich führe meinen Kalender weiterhin auf Papier und habe den Eindruck, dass ich meine Termine oft schneller auffinde und besser überblicke als mancher meiner Kollegen auf dem iPhone.
Mir geht das mit dem Kalender übrigens ganz genauso, den nutze ich auch noch in der Papier-Version. Denken Sie, dass sich Digital Natives Informationen anders aneignen als vorherige Generationen?
Huse: Ja, eindeutig. Da passiert etwas im Kopf. Die neurologischen Forschungen blühen ja im Augenblick geradezu, es gibt jede Menge experimentelle Untersuchungen, in denen erforscht wird, wie Information im Kopf verarbeitet wird und welchen Einfluss eine veränderte Mediennutzung auf unser Gehirn hat. Und je früher das beginnt, um so mehr verändert sich das. Aus meiner Sicht gibt es im Prinzip noch gar keine Digital Natives an einer Hochschule – die heutigen Studierenden sind alle noch in einer printlastigen Welt aufgewachsen, allerdings schon relativ früh mit den digitalen Medien in Verbindung gekommen. Wenn allerdings die Informationserschließung bereits im Kleinkindalter digital erfolgt, wird das gravierende Auswirkungen auf das Denken und die Kommunikationsweise der Menschen und damit auch auf das soziale Zusammenleben haben.
Vielen Dank, Prof. Huse, für das interessante Gespräch.
Das Interview führte Salim Zitouni, Mediapublishing-Student im 4. Semester.
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