Der erste Eindruck zählt, der letzte bleibt
(Quelle: www.szbz.de)
Von Christian Ignatz, Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung
Mit der äußersten Zacke der Vorspeisengabel versuche ich die Spaghetti zu erwischen. Nach unzähligen Versuchen und erst eine Viertelstunde später gelingt es mir, das erste Paket der langen Nudeln mund- und kniggegerecht auf der Gabel zu platzieren. Dazu darf nichts mehr herunter hängen.
Zuvor glitt die Nudel entweder hinunter, oder der halbe Tellerinhalt befand sich gleichzeitig auf der Gabel. »Genau das sollte Ihnen nicht passieren«, erklärt Christine Launert. Die Mannheimerin hat sich 2006 in Aidlingen als Imageberaterin und Stil- und Etikette-Coach selbstständig gemacht.
An diesem Abend gibt sie 21 Studenten, zwei Professoren und mir im Ehninger Landhaus Feckl ein Business Dinner-Training. Für die Mediapublishing Studenten im vierten Semester der Hochschule der Medien in Stuttgart soll es eine Vorbereitung auf Geschäftsessen im Berufsleben sein. »Wir machen so eine Veranstaltung jetzt schon zum vierten Mal. Im Landhaus Feckl sind wir zum ersten Mal und wir sind sehr zufrieden«, sagt Professor Christof Seeger. Vor allem preislich sei das Sternerestaurant der Universität entgegengekommen.
Der Abend beginnt mit einem Aperitif. Die Studenten wählen ein Gastgeberpaar aus ihren Reihen und schon geht es an die festlich geschmückte Tafel in einem großen, lichtdurchfluteten Saal. In diesem Ambiente entsteht der Eindruck, man befände sich nicht bei einem Benimm-Training, sondern bei einem echten Geschäftsessen.
Auf jedem Platz am Tisch liegen drei verschiedene Messer, zwei Löffel und drei Gabeln. Im Lauf des Abends gibt es ein Vier-Gänge-Menü. Nach jedem Gang erzählt Christine Launert neue Anekdoten aus dem Business Knigge. Eine der wichtigsten Grundregeln: Der Gastgeber hat immer Vorrang. So bestimmt er, wann mit dem Essen begonnen wird, welcher Wein getrunken werden soll, oder wann man das Jackett ablegen darf.
Für Letzteres entwickelt der frisch gebackene studentische Gastgeber leider noch kein Händchen. Bei sommerlich schwülen Temperaturen lässt er sein Jackett an und die restlichen Bankett-Teilnehmer kommen ganz schön ins Schwitzen. Ansonsten ist er seiner Aufgabe gewachsen und erhebt sein Glas, als hätte er nie etwas anderes getan.
Immer im gleichen Tempo essen
Einer der weiteren Grundsätze beim Essen ist das ungefähre Halten des Tempos. Niemand sollte vor einem leeren Teller sitzen, während die anderen Gäste noch essen. »Das gehört zum guten Ton«, sagt Christine Launert, die als Könnerin bereits mit ihrem Salat beginnt, während die Schüler noch überlegen, welches Besteck sie benutzen sollen. »Das ist ganz einfach«, so die Fachfrau. »Man benutzt das Besteck immer von außen nach innen.«
Vom Brot, das auf dem Tisch liegt, hat sie allerdings noch nichts bekommen. Das muss ich ihr als einziger Herr an der Ecke der Tafel reichen. Christine Launert: »Es ist wichtig, sich nicht nur um sich selbst, sondern auch um seine Tischnachbarn zu kümmern.«
Dazu muss ich zunächst mein Besteck ablegen, was wieder nach Knigge geregelt ist. »Wenn man mit dem Essen pausiert, legt man das Besteck in der Zwanzig-nach-Sieben-Stellung auf den Teller«, so Christiane Launert. Dazu stelle man sich den Teller als eine Uhr vor und das Besteck als die Zeiger. Ist man mit dem Essen fertig, signalisiert man das dem Personal mit der Zwanzig-nach-Vier-Stellung. Wichtig sei, dass Messer und Gabel, nach dem sie einmal in der Hand waren, nicht mehr das Tischtuch berühren.
Die Hand ist verboten
Der nächste Gang ist der Hauptgang. Es gibt gebratenes Stubenküken in Rosmarinjus mit grünem Spargel und Ofenkartoffeln. Bei dem Stubenküken handelt es sich um ein junges, sehr kleines Huhn. Christiane Launert erklärt, man müsse zuerst die Flügel und Schenkel trennen und dann mit einem chirurgischen Schnitt den Torso des Huhns auftrennen.
Da das Fleisch aber bereits zerlegt ist, bleibt uns dieser Schritt erspart. Die meisten Teilnehmer haben ohnehin genug Probleme damit, die Ofenkartoffel zu essen. Bloß nicht mit der Hand nachhelfen, heißt es da. Mit dem Messer einen Schnitt in die Schale machen und die Kartoffel mit dem Löffel essen. Das ist gar nicht so einfach wie es sich anhört.
Nach einem weniger tückenreichen Dessert ist das Seminar nach vier Stunden beendet. »Ich habe heute viel gelernt. Man geht ja schließlich nicht jedes Wochenende so gehoben essen«, sagt Studentin Julia Pröschel. Ihre Kommilitonin Angelika Usenbenz sieht das genauso: »Ich fühle mich jetzt wirklich gut auf mein Berufsleben vorbereitet.«
Weitere Informationen zu den Kursen von Christine Launert stehen unter www.stileben.de im Internet.
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